Day 13: Graaff-Reinet part two – from above and below

Driving up towards the Valley of Desolation a view point opens up towards a fantastic panorama over Graaff-Reinet. And that gives the impression the town is somewhat of a 18th and 19th century city planner’s dream. From above it can be seen how well-planned the city actually is. On one side the river flows along the town’s border, shaping the city centre in a horseshoe bend. Inside the river’s slope the streets are well structured jnto squares, the streets are wide with alleys and green parks.

This structure does actually not stop at the old city center’s borders but continues to the outskirts and the townships as well.

Driving into the city one realizes that development aid and housing projects have been at work here recently. But this apparently does not stop poverty. And since the town is comparably small this poverty spreads into the city centre. One of the nearest townships is not even a five minutes walk away. Therefore on every corner people are selling stuff, from headphones and sunglasses, to postcards, oranges or potatoes. Other simply do beg.

A friend had warned me she had never been asked for money as often as in Graaf-Reinet. I have to say I did not experience this that badly. But on the first evening I had twice such encounters where being polite and saying a firm no, did no longer go well hand in hand.

The fist one I call the postcard man. He was selling colourful paper postcards with pearls and wire shaped into the forms of South African wildlife. “Look, Rhino”, he said. “only ten rand, ten bucks.” Running with a box next to us he was quite eager and quite nice, but I simply did not need postcards. And in the same street at least two other men sat with their goods, looking if the postcard man was successfull and they may start their own attempt. “Tomorrow, you’ll buy tomorrow?” postcard man asked. “Yes, tomorrow.” I fear if I really meet him again tonight in town I might actually buy a postcard. They were indeed quite pretty and even though it might be strange if a man with a box of postcards is following you in the street, postcard man was quite nice and polite. “Tomorrow!” he said happily and left, waving his hand after us.

The second encounter was a bit more strange. A man with ten Rand in his hand asking for another ten so he can pay for electricity. Something that in South Africa can be bought in advance with a pre-paid card, which he was holding into our faces. I was not even sure if this was his normal tactic or if he really neded the money for electricity. In Germany I have often enough been asked for the last Euro someone was missing to buy a train or bus ticket home – strange he needed that every day. But it was not me or my boyfriend who said no to electicity man but a woman walking down the street shouting him down in Afrikaans. That actually felt strange…

So what am I trying to tell? You always can watch a city from above and below, literally speaking or in symbols. To enjoy something as a tourist attraction does not have to mean you have to ignore the – as the woman at the car hire station said – “you know, we have social problems”. And to be honest: Everyone I met was nice and polite but there are definitely some streets and corners I would not walk along after dark. And those begin a stone throw away from the main streets.

Tomorrow I will be leaving Graaff-Reinet, a town that has as much contradictions as any other South African town. Perhaps it is because the city is so small that you will be served all of that, history, culture, nature but also poverty and unemployment, on a plate without much chance to avoid it.

And I quite liked it for that.

—–

Wer von Graaff-Reinet die Berge hinauf fährt zum Valley of Desolation, der hat nach wenigen Kilometern einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt. Und der wiederum eröffnet einem, warum die Stadt tatsächlich als der Traum eines Stadtplaners im 18. und 19. Jahrhundert gelten könnte: An der einen Seite begrenzt durch den Fluss, ist die Altstadt geformt wie ein Hufeisen. Doch darin entwickelt sich eine klare, quadratische Struktur, Straßen wie mit dem Lineal gezogen, breite Alleen und Parks. Ein Mustervorbild für schachbrettartig angelegte Städte.

Erstaunlich ist aber, dass sich die gleiche Struktur fortsetzt in die Außenbezirke ebenso wie in die Townships vor den Stadttoren.

Auf dem Weg in die Stadt wird deutlich, dass hier jüngster Zeit Gelder für Entwicklungshilfe und Hausbauprojekte geflossen sind. An vielen Stellen sind kleine und weniger herunter gekommene Backsteinhäuschen entstanden, die aber nicht weniger in Müll und Staub stehen, wie alle anderen Township-Baracken. Trotz solcher Hausbauprojekte existiert die Armut weiter.

Und gerade weil Graaff-Reinet so klein ist zieht sich die bis in die Innenstadt. Der nächsteTownship ist keine fünf Gehminuten entfernt. An jeder Ecke verkaufen Männer und Frauen Sachen, von Ohrwärmern und Kopfhörern über CDs und Sonnenbrillen zu Säcken mit Orangen oder Kartoffeln.

Ich wurde im Vorfeld gewarnt, dass Besucher in Graaff-Reinet an jeder Straßenecke nach Geld gefragt werden. Als so schlimm habe ich es dann aber nicht empfunden.

Eigentlich gab es bislang nur zwei Begegnungen, bei denen Höflichkeit und ein strenges eindeutiges Nein nicht mehr so ganz zusammen gingen.

Nummer 1 nenne ich den Postkartenmann. Er lief gute zehn Minuten mit einer Pappbox voller Postkarten neben uns her, die er mit aller Inbrunst bewarb. Bunt und mit Perlen und Drahtfiguren beklebt, zeigten sie die wilden Tiere Afrikas. “Guckt, ein Rhino”, sagte er und ließ sich auch durch ein Kopfschütteln nicht davon abbringen auch noch Löwe und Elefant zu zeigen. Gleichzeitig beobachteten uns mindestens zwei weitere Verkäufer wie erfolgreich der Postkartenmann wohl sein würde und ob es sich lohne uns auch noch anzusprechen. “Morgen, ihr kauft morgen, ja?” fragte Postkartenmann und war ganz glücklich als ich nickte. “Morgen!” rief er uns hinterher und winkte glücklich. Mag sein, dass ich heute tatsächlich eine kaufe – um ehrlich zu sein: sie waren sehr hübsch und Postkartenmann echt nett.

Die zweite Begegnung war etwas schräger. Was sagt man dazu: Ein Mann bittet um zehn Rand, zehn habe er schon, um seine Pre-Paid-Karte für Strom, aufzuladen. Das ist in Afrika nämlich durchaus üblich: Pre-Paid-Strom. Kann ein Trick sein, schließlich hatte ich in Leipzig auch meinen Pappenheimer, der mich alle zwei Tage um den fehlenden Euro für die Heimfahrt angepumpt hat, ohne zu merken, dass er immer die gleiche fragt. Konnte aber auch gut sein, dass Strommann tatsächlich nur zehn Rand fehlten, umgerechnet nicht einmal ein Euro. Bevor ich darauf aber überhaupt reagieren konnte, rief ihm eine Frau auf Afrikaans hinterher – auch wenn ich kein Wort verstanden habe, der Tonfall war alles andere als freundlich und Strommann verschwand. Das war ein seltsames Gefühl, nicht weil ich angebettelt wurde, sondern weil es mir noch nie passiert ist, dass jemand anders in meinem Namen einen Bettler anschreit…

Was ich eigentlich damit sagen möchte: Man kann eine Stadt immer aus verschiedenen Richtungen sehen, von oben und unten – symbolisch gesprochen oder wörtlich gemeint. Touristen-Attraktionen zu bestaunen, muss nicht unbedingt heißen die negativen Seiten einer Stadt zu ignorieren. Oder, wie die Dame es in der Autovermietung ausdrückte: “wir haben da soziale Probleme”. Eigentlich meinte sie damit Gewalt und Kriminalität. Um ehrlich zu sein: Es gibt Straßen in Graaff-Reinet, die würde ich nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß nicht mehr betreten. Und die beginnen gerade einmal einen Steinwurf entfernt von den Hauptstraßen.

Sicherlich hat Graaff-Reinet nicht mehr Widersprüche als andere Südafrikanische Städte, doch hier liegen sie so eng beieinander, dass sie kaum zu ignorieren sind: Wildparks und Naturschutz neben vermüllten Straßen, denkmalgeschützte Gebäude neben verwahrlosten Blechhütten.

Und vielleicht mag ich das an Graaff-Reinet: dass die Widersprüche hier nicht so leicht zu ignorieren sind, wie in anderen glatt gebügelten Touristenhochburgen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s