Day 3: Being rich

Being in South Africa for the first time in my life I do not only feel rich but I am rich. As a freelance journalist my income depends on my workload and since my boyfriend works full-time at university but actually is paid only half-time we are what might be described as academic-proletarians – having a good education but in a normal month no more than a lower-middle class income.

But what we are earning is actually quite a lot for South Africa. We are currently living in an apartment block at the coast with seaside view, two bedrooms, a modern bathroom, living room and open kitchen. The apartment is situated in a block that also houses hotel rooms and holiday apartments and its interior can be compared to a normal German or English holiday flat for example at the North Sea coast. With a rent of approximately 600 Euro a month it is not much more than we are paying for our flat in Oldenburg (which compared to others in town is actually quite cheap). But according to South African income it is a flat even my boyfriend’s colleagues at the local university might not afford.

The median monthly earnings in South Africa are 2800 Rand (statistic from 2010), approximately 214 Euros or 277 Dollars.

It is somehow a moral dilemma since I really enjoy staying here, listening to the waves during night-time is quite soothing and the view in the morning when the sun is glistening on the sea’s surface is extraordinary beautiful. But otherwise I have seen the other side of town – literally not speaking in pictures. Port Elizabeth actually is divided: Where I am staying everything is clean and beautiful with well-groomed gardens, nice restaurants and sandy beaches. But if you drive towards the city centre you will encounter real poverty and moving beyond towards Motherwell you can no longer ignore the facts: the rich, clean surface of those who can afford to live well is only that, a surface burying the countries real problems.

 

Township 2_small
This is actually not the worst part to live in…

 

For a westerner driving through a Township for the first time is like an eye-opener and a nightmare at the same time. I think everyone watching television has encountered pictures of shacks and people living in dirt and rubbish, but actually seeing it is something quite different. You see smiling or sad looking people, others carrying loads home or sitting by doing nothing, children are playing in the mud  – and to confess it: That moment is far to overwhelming to really come to any conclusion what to think about it, feel about it. Pity? Guilt for your own, comfortable lifestyle? Or perhaps respect that these people are living their lives and not giving up no matter the circumstances? I still can’t really grasp it.

 

Township 1small
…neither is this.

 

And to be honest: Going back in your rich little apartment it is quite easy too make yourself forget the poverty you have seen only half an hour ago – if you intend to do that. And that makes me think is one of the great problems: The separation between races and classes that still do exist since time of Apartheid helps those in power, those with money ignore the problems of those who suffer the most. Don’t go where they live and you can be quite comfortable in the colourful painted good world you might have created around you.

So, how does it feel to be rich for the first time? To put it in one word: Strange!

 

—-

 

In Südafrika fühle ich mich zum ersten Mal nicht nur reich, wie zum Beispiel nach meiner Konfirmation beim Zählen der Geldscheine, sondern bin es. Als freiberufliche Journalistin hängt mein Einkommen sehr davon ab, wie viele Aufträge ich im Monat habe. Und da mein Freund an der Universität zwar voll arbeitet aber meist nur eine halbe Stelle hat, könnte man uns als so etwas wie das akademische Proletariat bezeichnen: Gut ausgebildet aber mit magerem oder in guten Monaten mittelmäßigem Einkommen.

Doch für Südafrika ist das, was wir verdienen, ziemlich viel. Wir leben derzeit in einem Apartmentblock direkt an der Küste, mit Balkon, Meerblick, zwei Schlafzimmern, modernem Bad, Wohnzimmer und offener Küche. Ein wenig erinnert mich die Einrichtung an Ferienwohnungen an der Nordseeküste (die moderne Einrichtung, nicht jene Apartments mit dem Charme der 1970er Jahre). Und tatsächlich gibt es hier nicht nur Wohnungen, sondern auch Hotelzimmer und kleine Studios für Feriengäste. Mit knapp 600 Euro Miete liegt die Wohnung sogar unter dem, was eine ähnliche Wohnung in Oldenburg kosten würde und dennoch ist das eine Miete, die sich in Südafrika kaum einer leisten kann. Selbst für die Kollegen meines Freundes hier vor Ort an der Universität wäre die Miete zu hoch – abgesehen vielleicht von höher gestelltem Universitätspersonal.

Nach einer Regierungsstatistik von 2010 liegt das mittlere monatliche Durchschnittseinkommen in Südafrika bei 2800 Rand, also knapp 214 Euro oder 277 Dollar.

Und das ist für mich tatsächlich ein moralisches Dilemma: Natürlich genieße ich jeden Augenblick, das Rauschen der Wellen, die direkt vor meinem Fenster gegen die Küste schlagen, den Sonnenaufgang morgens über dem Meer… doch andererseits ist mir bewusst, dass das nur eine schöne Fassade ist, die mit dem wirklichen Leben der meisten Menschen in Südafrika nichts zu tun hat. Wer in Richtung Innenstadt fährt, der begegnet schnell den ersten Spuren von Armut. Viele Gebäude stehen hier leer seit die Weißen in die schön gepflegten Vorstädte gezogen sind. Doch die wirkliche Armut liegt jenseits der Stadt, nicht bildlich gesprochen, sondern tatsächlich. Es ist als wäre durch die Stadt eine Linie gezogen: Auf der einen Seite wohlgepflegte Vorgärten, lange Strände, schicke Apartment- und Einfamilienhäuser und auf der anderen Seite Siedlungen, die ich nicht einmal als solche bezeichnen möchte. Gleich am ersten Tag bin ich Richtung Motherwell gefahren und das erste Mal Mitten durch ein Township. Es sind Szenen, die jeder schon irgendwann einmal im Fernsehen gesehen hat: Menschen, die in nichts weiter als Wellblech-Hütten leben, zwischen Müll und von Regen verschlammten Wegen. Selbst der Friedhof ist eine schlammige Fläche mit namenlosen Holz- und Steinkreuzen. Kinder spielen im Dreck, das Leben ist hier auf der Straße, die Hütten so eng und klein, dass sie nur zum Schlafen taugen. Als Westeuropäer zum ersten Mal durch einen solchen Township zu fahren ist ein Augenöffner und ein Alptraum zugleich. Ständig die drängende Frage: Soll ich die Menschen bemitleiden? Soll ich mich wegen meines eigenen Lebensstils schuldig führen? Oder ist es eher, dass ich all jene bewundere, die trotz dieser Umstände ihr Leben leben und nicht einfach aufgeben? Zu einem wirklichen Schluss bin ich noch nicht gekommen.

Und um ehrlich zu sein: Es fällt leicht die Armut zu vergessen, wenn man kurz darauf in sein wohl gepflegtes Apartment zurückkehrt, den Wellen lauscht und am Abend ein Glas südafrikanischen Wein trinkt – wenn man denn die Armut vergessen will. Aber irgendwie macht es das auch verständlich, warum die, die Geld und Macht haben, es schaffen die Armut der anderen zu ignorieren. Es ist leicht sich in Südafrika eine schöne Fassade aufzubauen. Fahre nicht in die entsprechenden Stadtteile und du siehst die Armut nicht. Aus den Augen aus dem Sinn. Weg. Nicht da. Und vielleicht ist das auch eines der größten Probleme: Die gesellschaftliche Teilung, die sich auch nach dem Ende der Apartheid nicht aufgelöst hat, macht es einfach das eigene Leben zu leben ohne sich von den Problemen der anderen gestört zu fühlen. Was ich nicht sehe, geht mir nicht nah. Was ich nicht wahrhaben will, ist nicht da.

Angesichts dessen die Frage zu beantworten, wie ich mich fühle zum ersten Mal „reich“ zu sein, fällt schwer. Doch vielleicht kann ich es tatsächlich in ein einziges Wort fassen: Seltsam!

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